Einstimmig unterstützenswert

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yes_)Liebe Tanzfreunde,

wie einige von euch über unsere SocialMedia Kanäle erfahren haben, werden wir im nächsten Schritt auf die finanzielle Unterstützung des Bundesamts für Kultur zählen können. Das Gremium stimme einstimmig für den Support unseres Projektes. Das ist für uns wirklich großartig, weil wir viel Energie und Zeit darin investiert haben.

Damit einhergehend können wir unser Projekt auf dem Niveau weiterverfolgen, das wir uns wünschen und mit dem wir euch und dem Thema gerecht werden möchten.

Wir haben uns in den letzten Wochen Gedanken um die Verbesserung der Kommunikation und der interaktiven Elemente gemacht und möchten ein Teil der neuen Mittel in die Infrastruktur stecken; folglich in unsere Website, die etwas aufgefrischt und erweitert werden soll.

Des Weiteren möchten wir vermehrt den Dialog „außerhalb des Internets suchen“ und denken an weitere – für euch in Videoform festgehaltene – Besuche bei Tanzschaffenden, mit denen wir über den Inhalt des Filmes diskutieren möchten.

Wir freuen uns nun wieder enger mit euch am Projekt zu arbeiten und sagen Danke für die bisherige Teilnahme.

Ein Leben für die Kunst! Was geschieht nach der Karriere?

heraus

Was geschieht nach der Bühnenkarriere?

Welchen Herausforderungen stellen sich angehende Tänzer?
Wie halten sich freischaffende TänzerInnen finanziell über Wasser?
Wie werden Tanzausbildung und Tanzprojekte in der Schweiz gefördert?

Wir sprechen heute zum Thema “Tanzberuf” live um 18:00Uhr und würden uns über eure Teilnahme freuen. Meldet euch einfach bis 16:00Uhr unter milad@dieschweiztanzt.ch wenn ihr direkt in das Gespräch einsteigen möchtet oder schaltet euch um 18Uhr auf unserer Website dazu und schreibt uns im Chat eure Fragen/Meinungen und Ideen.

Zur Einstimmung findet ihr hier ein Beitrag der kürzlich auf 3Sat gesendet wurde und Antworten auf diese Frage sucht

Post aus Bern

Neulich – nach unserem letzten Hangout – erreichte uns folgende E-Mail von Manuel aus Bern, die wir euch nicht vorenthalten möchten. An dieser Stelle sei Manuel nochmals gedankt. Nicht nur seiner Nachricht und Ideen wegen, sondern auch für die Erlaubnis diese mit euch zu teilen.

Uns würde auch eure Meinung interessieren! Teilt ihr Manuels “Version des Filmes”? Habt ihr eigene Ideen? Wünsche?

bern
Hallo Milad!

Zuerst einmal finde ich euer Projekt super und erhoffe mir, dass das Projekt dieSchweiztanzt viel bewegen wird. Seit ich vom Projekt gehört habe, habe ich mir Gedanken gemacht, was ein Film über die Schweizer Tanzszene aussagen könnte und wie die Geschichte aussehen könnte, die der Film erzählt. Bevor ich meine Ideen beschreibe, möchte ich mich noch kurz vorstellen:

Ich heisse Manuel Berger und bin 25 Jahre alt. Ich habe soeben mein Geographiestudium an der Uni Bern abgeschlossen und leiste momentan meinen letzten Zivildiensteinsatz, in einem wissenschaftlichen Projekt mit dem Thema “Die kulturelle Dimension der Nachhaltigkeit”, ebenfalls an der Uni Bern. Das Tanzen habe ich erst vor 4 Jahren durch Christa Zaugg, die ja auch eine der ProganistInnen ist, entdeckt. Seit meiner ersten von ihr geleiteten 5-Rhythmen-wave besuche ich mind. einmal wöchentlich einen ihrer Kurse und habe während den 4 Jahren das Tanzen lieben gelernt. Vor dieser Zeit habe ich ab und zu im Ausgang getanzt, habe mich aber nie getraut, richtig aus mir herauszukommen. Durch den 5-Rhythmen-Tanz habe ich erst gemerkt, dass es beim Tanzen nicht darum geht, schön tanzen zu können, eine gute Figur abzugeben, usw., sondern dass der Tanz ein Instrument zur persönlichen Selbstfindung ist, eine Art sich selbst auszudrücken und mit anderen Menschen auf einer non-verbalen (vielleicht sogar höheren) Ebene zu kommunizieren. Das Tanzen hat mir seither geholfen, schwierige Lebensphasen besser zu überwinden und gleichzeitig hat das Tanzen in mir vieles verändert, d.h. meine Einstellung gegenüber dem Leben und der Welt, im Grunde meine ganze Art zu denken. Heute bin sehr viel ausgeglichener, habe mehr Selbstvertrauen, und bin allgemein positiver eingestellt, und ich denke, ein grosser Teil dieser Veränderung habe ich dem Tanzen zu verdanken.

In der letzten Diskussion, wo es ums Tanzen mit Kindern ging, wurde ja zum Teil auch von Veränderungen gesprochen. Das Thema “Veränderung durch Tanz” im Film fände ich sehr spannend, da ich wie erwähnt selbst diese Erfahrung gemacht habe. Ich denke aber auch, dass es eine sehr wichtige message des Films sein könnte. Ich sehe heutzutage viele (oft globale) Probleme wie die Ausbeutung der Natur, die wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen, der Klimawandel oder die Energiewende, die wir nur mit einem Umdenken werden meistern können. Des Weiteren finde ich, dass viele Menschen in der heutigen Zeit sich nicht um ihren Körper kümmern oder sich unwohl in ihm fühlen (Stichwort: moderne Schönheitsideale, Leistungsdruck, ungesunde Ernährung, …) Bei all diesen Problemen sehe ich den Tanz als Weg (oder Katalysator) zu einer Veränderung zum Positiven, zu einem achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper, der Natur und den Mitmenschen.

Was mir noch nicht ganz klar ist: ob der Film ein reiner Dokumentarfilm wird oder ob es auch ein Mix zwischen Fiktion, in dem die ProtagonistInnen sozusagen eine Rolle spielen, und Dokumentation sein könnte. Bei der konkreten Umsetzung des Themas “Veränderung durch Tanz” habe ich z.B. daran gedacht, dass man stories einzelner ProtagonistInnen erzählt, die selbst eine Veränderung erlebt oder bei anderen beobachtet haben, und diese Teilstränge miteinander verwebt, so dass am Schluss alle story lines zusammenkommen und die Geschichte ein grosses Ganzes ergibt. Aspekte der Veränderung, welche in den einzelnen Teilsträngen der Geschichte erzählt werden könnten, sind z.B. “pers. Veränderung”, “Veränderung im Umgang mit Mitmenschen”, “Integration durch Tanz”, usw.

So, ich hoffe, das Ganze ist einigermassen verständlich geschrieben, und dass mein Beitrag hilfreich ist. Ich bin schon gespannt, wie sich alles weiterentwickeln wird!

Liebe Grüsse
Manuel

Weil Teilen wichtig ist…

Deine_Story
Weil Teilen wichtig ist…

…bieten wir Dir unsere Plattform an. Schreib uns deine Erfahrungsberichte. Erzähl von Deinem Projekt und diskutiere mit unserem Publikum.

Wir sind davon überzeugt, dass es gewinnbringend für alle ist, wenn wir den Diskurs über den Tanz in der Schweiz öffentlich und stilübereifend führen. Dabei möchten wir sowohl erfahren, wo Du Misstände siehst, wie Du diese persönlich erfahren hast; aber auch wo Erfolge gefeiert wurden. Thematisch setzen wir Dir keine Grenzen; im Gegenteil: Wir sind uns sicher, dass durch Deinen Beitrag unser Projekt weiter lebendig und vielfältig bleibt.

Du kannst Dein Beitrag an: milad@dieschweiztanzt.ch senden. Nach kurzer Überprüfung veröffentlichen wir diesen  hier auf unserem Blog, auf Facebook und via Twitter.

Gerne führen wir auch Interviews mit Dir. Am liebsten persönlich und bei einem Kaffee oder aber auch via Google-Hangouts.

Bei Fragen zöger nicht uns zu schreiben. Wir sind schon total gespannt, was Du an spannenden Inhalten mitbringen wirst.

Im Übrigen planen wir die besten Beiträge – im Anschluss an unsere Filmproduktion – in Form eines Buches gemeinsam mit weiteren den “Tanz in der Schweiz” betreffenden Inhalten zu publizieren.

Wenn ich hätte tanzen dürfen… ( Milad )


milad_iranSeit nun mehr als einem Jahr
beschäftige ich mich mit dem Tanz. Und je mehr, je tiefer, je näher ich an das Thema heranrücke, desto stärker drängt sich mir die Frage auf: Was wäre, wenn ich hätte tanzen dürfen?

„Langfristig hat sich noch keine Herrschaft durchgesetzt, die den Tanz verboten hat. Tanzen ist Leben.“ schreibt Guter Kreuz, Musikkognitionsforscher; Experte und Interviewpartner des Spiegel Onlines. Er spricht weiter: „Es ist ein Nebenprodukt des aufrechten Gangs früher Hominiden und steckt in unseren Genen.“

Mich aber hat man gelehrt, diese inneren Impulse, diesem Ruf der Musik, sich zu ihr zu bewegen, zu unterdrücken. Herangewachsen bin ich im Iran der Nachkriegszeit. Mein Vater, ein Unternehmer, ein zu jener Zeit religiöser Freigeist, der wie viele seiner Generation in der Islamischen Revolution eine Verbesserung der Lebensumstände sah, zog in den Krieg und blieb dort. Als Kriegsgefangener verbrachte er Jahre in irakischen Gefängnissen. Zurück blieben wir: Mutter und Sohn.

Für mich, „dem männlichen Oberhaupt der Familie“, hatte der junge Staat seine eigenen Pläne geschmiedet: In einer Sonderschule, auf der Söhne deren Väter im Krieg verwundet, getötet oder gefangen wurden, lehrte man uns die Sprache religiöser Fanatiker  sprechen. Und ich lernte schnell. Ich schickte mich an ein Musterschüler zu werden und entsagte vielen vertrauten Vergnügungen. Die Religion fing mich auf und ich war ihr dankbar dafür. Ich lernte strikte Regeln kennen und fühlte mich in den engen Strukturen wohl – sie gaben eine Richtung vor und machten mich glauben, dass es auch jener Weg sei, den mein Vater mich gelehrt hätte; schließlich – so die Logik – hätte es ihn im Kampf für eben diese Wahrheiten in den Krieg gezogen.

In Folge dessen entwickelte ich mich zum Prototypen eines staatstreuen Bürgers. Ich fing an, mich von Familienfeiern zu entfernen und ging später noch weiter, in dem ich meiner Mutter das Tanzen verbot. Selbstverständlich ohne Erfolg.

Was aber bedeutete es in diesen Tagen überhaupt zu tanzen? Heute verstehe ich es. Wie der Tango unter der argentinischen Diktatur, waren auch jene Tanzabende und Partys im Iran Ausdruck des Widerstands; sie waren Ablenkung, Flucht und Hoffnung. Ich aber sah sie nicht; diese andere Seite und blieb verständnislos abseits.

Ich habe auch später, als wir längst in Deutschland angekommen, als ich längst der Religion entsagt und mich hiesig sozialisiert hatte, nie mehr getanzt. Warum? Ich kann es mir schwer erklären.

Der Tanz ist und war immer ein wesentlicher Bestandteil der persischen Kultur und wird auch heute hinter Türen und Toren trotz der Gefahr, von Sittenwächtern abgestraft zu werden praktiziert. Seit der Grünen Bewegung 2009 sogar zunehmend provokativ und öffentlich.

Vielleicht, denke ich mir, ist dieses Projekt auch die Möglichkeit mich von den Geistern meiner Kindheit loszusagen oder aber zurückzukehren zu den Wurzeln meiner Kultur.

Auf Tee und Tanz

Das Treffen kam spontan zustande. Nachdem Valérie und ich ( Milad ) vergebens versucht hatten in den letzten Wochen einen Termin zu vereinbaren ( Es scheiterte nicht selten an meinem vollen Kalender ) schafften wir es heute.

In Begleitung von Sara machte ich mich auf dem Weg nach Zürich, um jene Frau kennenzulernen, die schon beim letzten Besuch einen bleibenden Eindruck hinterließ und die ihre Passion für den LindyHop auch im Privaten lebt.

So überraschte es uns nicht, als wir – nachdem Valérie uns die Tür zu ihrem Zuhause in Mitten Zürichs öffnete – in eine Wohnung eintraten, in der die Zeit schon lange stehen geblieben war. Nebst alten Telefongeräten, einem Radio aus Zeiten unserer Großeltern, waren Möbel, Gardinen und Deko wunderbar stimmig im Stile der 20er und 30er aufeinander abgestimmt. Sogar der Boden schien originalgetreu nachempfunden.

Valérie lud uns ein zum Tee und erzählte Geschichten über ihr Viertel, das wie viele andere Zürcher Bezirke sich stark gewandelt hat, sprach von geplanten Ausflügen zu LindyHop-Freunden in die USA oder in Schweden. “Die Szene ist wie eine große Familie. Wenn man reist, verbringt man auch die Zeit miteinander und schläft nicht etwa in einem Hotel.” Zur Not, sagt sie, bringen die Tanzfreunde einen auch mal bei Bekannten und Verwandten unter.

Ihr Wecker klingelt und macht uns auf die bevorstehende Tanzstunde aufmerksam. Den kurzen Weg durch den Schnee bis zum Tanzraum im Viadukt verbringe ich mit Kopfkino. Der Bruch zwischen der Welt in Valéries vier Wänden und der hier draußen ist groß. Dort mechanische Uhren, handbearbeitete Möbel, hier glänzende Hochhäuser und das Lichtspiel moderner LED-Leuchten. Umso mehr freue ich mich, als wir die Tanzräumlichkeit erreichen.

Valérie war wirklich bemüht mich zum Tanzen zu animieren und ich werde mein Versprechen, dem nachzugehen in Kürze schon einhalten. Heute aber wollte ich lieber beobachten und verstehen, welchen Reiz der LindyHop auf die Besucher ausübt, wer sie sind und ob sie ähnlich darin aufzugehen gewillt sind, wie Valérie es vorlebt.

Auf dem Heimweg stehe ich an der Haltestelle. Sara summt die Musik, die wir kurz zuvor im Ohr hatten und ich ertappe mich dabei die Schritte der Tanzenden nachzuahmen. Schon bald, sage ich mir, werd ich`s versuchen.

Lohn & Angst – Wie steht`s finanziell um die Tanzschaffenden der Schweiz?

Es fällt schwer aktuelle Zahlen zu finden. Noch schwerer fällt es, wenn man sich auf die Suche nach Lohnhöhen begibt und versucht herauszufinden, wie es finanziell um die Tanzschaffenden der Schweiz steht.

lohnangst_blog

Das Bundesamt für Kultur schreibt ( Zahlen 2004 ):
“In einem Stadttheater- oder Opernhausensemble verdienen die TänzerInnen durchschnittlich monatlich zwischen ’500 und 4’000 Franken. Die Mehrheit der TänzerInnen und ChoreografInnen arbeitet aber in der freien Szene.”

Die Zahlen – sollten sie seit 2004 nicht groß gestiegen sein – sind erschreckend. Schnell taucht die Frage auf, was mit alljenen Tanzschaffenden geschieht, die abseits dieser großen Bühnen als freie Tanzschaffende arbeiten? Weniger als 40% von ihnen können tatsächlich von ihrem Einkommen leben. Die meisten sind um Nebentätigkeiten bemüht. Der durchschnittliche Monatsgehalt für ein befristetes Engagement beträgt hierbei knapp 2500,- CHF ( Zahlen 2004; BAK ).

Ein weiteres Problem stellt die Umschulung dar. Meist beginnen die Tanzschaffenden ihre Ausbildung sehr früh und sind über die Jahre stark durch den Tanzberuf eingebunden. Das geringe Einkommen verhindert es zudem, dass sie etwas Geld für eine spätere Weiterbildung zur Seite legen können oder sich gar parallel fortbilden.

In unserem Film möchten wir gern auch diese Thematiken ansprechen und schauen, was sich seit 2004 geändert hat.

Wie steht ihr dazu? Ist es ein Thema, das auch auch euch interessiert?
Könnt ihr selbst vom Tanzberuf leben?
Welche Fort- und Ausbildungsmöglichkeiten habt ihr in Anspruch genommen oder plant ihr zu nehmen?