Neulich – nach unserem letzten Hangout – erreichte uns folgende E-Mail von Manuel aus Bern, die wir euch nicht vorenthalten möchten. An dieser Stelle sei Manuel nochmals gedankt. Nicht nur seiner Nachricht und Ideen wegen, sondern auch für die Erlaubnis diese mit euch zu teilen.
Uns würde auch eure Meinung interessieren! Teilt ihr Manuels “Version des Filmes”? Habt ihr eigene Ideen? Wünsche?

Hallo Milad!
Zuerst einmal finde ich euer Projekt super und erhoffe mir, dass das Projekt dieSchweiztanzt viel bewegen wird. Seit ich vom Projekt gehört habe, habe ich mir Gedanken gemacht, was ein Film über die Schweizer Tanzszene aussagen könnte und wie die Geschichte aussehen könnte, die der Film erzählt. Bevor ich meine Ideen beschreibe, möchte ich mich noch kurz vorstellen:
Ich heisse Manuel Berger und bin 25 Jahre alt. Ich habe soeben mein Geographiestudium an der Uni Bern abgeschlossen und leiste momentan meinen letzten Zivildiensteinsatz, in einem wissenschaftlichen Projekt mit dem Thema “Die kulturelle Dimension der Nachhaltigkeit”, ebenfalls an der Uni Bern. Das Tanzen habe ich erst vor 4 Jahren durch Christa Zaugg, die ja auch eine der ProganistInnen ist, entdeckt. Seit meiner ersten von ihr geleiteten 5-Rhythmen-wave besuche ich mind. einmal wöchentlich einen ihrer Kurse und habe während den 4 Jahren das Tanzen lieben gelernt. Vor dieser Zeit habe ich ab und zu im Ausgang getanzt, habe mich aber nie getraut, richtig aus mir herauszukommen. Durch den 5-Rhythmen-Tanz habe ich erst gemerkt, dass es beim Tanzen nicht darum geht, schön tanzen zu können, eine gute Figur abzugeben, usw., sondern dass der Tanz ein Instrument zur persönlichen Selbstfindung ist, eine Art sich selbst auszudrücken und mit anderen Menschen auf einer non-verbalen (vielleicht sogar höheren) Ebene zu kommunizieren. Das Tanzen hat mir seither geholfen, schwierige Lebensphasen besser zu überwinden und gleichzeitig hat das Tanzen in mir vieles verändert, d.h. meine Einstellung gegenüber dem Leben und der Welt, im Grunde meine ganze Art zu denken. Heute bin sehr viel ausgeglichener, habe mehr Selbstvertrauen, und bin allgemein positiver eingestellt, und ich denke, ein grosser Teil dieser Veränderung habe ich dem Tanzen zu verdanken.
In der letzten Diskussion, wo es ums Tanzen mit Kindern ging, wurde ja zum Teil auch von Veränderungen gesprochen. Das Thema “Veränderung durch Tanz” im Film fände ich sehr spannend, da ich wie erwähnt selbst diese Erfahrung gemacht habe. Ich denke aber auch, dass es eine sehr wichtige message des Films sein könnte. Ich sehe heutzutage viele (oft globale) Probleme wie die Ausbeutung der Natur, die wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen, der Klimawandel oder die Energiewende, die wir nur mit einem Umdenken werden meistern können. Des Weiteren finde ich, dass viele Menschen in der heutigen Zeit sich nicht um ihren Körper kümmern oder sich unwohl in ihm fühlen (Stichwort: moderne Schönheitsideale, Leistungsdruck, ungesunde Ernährung, …) Bei all diesen Problemen sehe ich den Tanz als Weg (oder Katalysator) zu einer Veränderung zum Positiven, zu einem achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper, der Natur und den Mitmenschen.
Was mir noch nicht ganz klar ist: ob der Film ein reiner Dokumentarfilm wird oder ob es auch ein Mix zwischen Fiktion, in dem die ProtagonistInnen sozusagen eine Rolle spielen, und Dokumentation sein könnte. Bei der konkreten Umsetzung des Themas “Veränderung durch Tanz” habe ich z.B. daran gedacht, dass man stories einzelner ProtagonistInnen erzählt, die selbst eine Veränderung erlebt oder bei anderen beobachtet haben, und diese Teilstränge miteinander verwebt, so dass am Schluss alle story lines zusammenkommen und die Geschichte ein grosses Ganzes ergibt. Aspekte der Veränderung, welche in den einzelnen Teilsträngen der Geschichte erzählt werden könnten, sind z.B. “pers. Veränderung”, “Veränderung im Umgang mit Mitmenschen”, “Integration durch Tanz”, usw.
So, ich hoffe, das Ganze ist einigermassen verständlich geschrieben, und dass mein Beitrag hilfreich ist. Ich bin schon gespannt, wie sich alles weiterentwickeln wird!
Liebe Grüsse
Manuel