Zu Besuch beim Redbull BC One mit Marc U.

Ich stehe noch ganz unter dem Eindruck dieses Tages und würde am Liebsten direkt zum nächsten Event. Aber ich will von vorn beginnen. Eingeladen wurde ich, Milad, von Marc U. aus Biel zum RedBull Battle… Ein Tanzbattle also. Man kennt solche Veranstaltungen aus dem Fernsehen und ist Dank Youtube und Google auch schnell aufgeklärt, was einen erwartet… trotzdem war ich vorfreudig nervös und ging der Einladung nach.
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Mitten in Zürich, in der Nähe der Hardbrücke traf ich dann Marc und begleitete ihn über den Tag. Ich wollte erfahren, wie es für einen Tänzer ist, sich auf den direkten Wettbewerb einzulassen. Marc schien zunächst locker und wenn er nervös war, dann ließ er es sich nicht anmerken. Wir plaudern einbisschen und er stellt mich seinen Tanzfreunden vor, derer es verdammt viele an dem Abend gab. Auch etwas, was ich mitnehmen sollte: Man kennt sich, man schätzt und respektiert sich.

Ich frag Marc, ob er sich auf eine bestimmte Art vorbereitet hat? Ob`s wohl sowas wie ein Ritual gibt vor einem Tag, wie diesen?!

“Eigentlich gibt es keine spezielle Vorbereitung. Was ich vielleicht anders mache wenn der Wettkampf naht ist: Ich versuche mich nicht mehr zu überanstrengen, keine neuen Sachen trainieren und die Trainings werden leichter, dafür auch mentaler. Zudem trinke ich wesentlich viel mehr Wasser und versuche meine Kohlenhydrate zu füllen mit ein wenig bewusstere Ernährung, damit ich genug Ausdauer am Battle selbst habe. Ansonsten mag ich einfach Spass und Glück empfinden.”

Spass wollte ich auch haben, also gingen wir direkt hinein.

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Wir bekamen unsere Bänder und liefen durch die Menge. An jeder Ecke blieb Marc stehen und begrüßte jemanden oder unterhielt sich mit einer Gruppe. Alles ungezwungen und locker. Ich sah kein Anzeichen von Missgunst oder Konkurrenzgedanken; mich überraschte und freute die offene und lockere Art miteinander umzugehen, so dass ich mich auch in die Gespräche verwickeln liess. Die ersten Showeinlagen waren vorbei, wir gönnten uns eine kleine Pause und Marc zog sich in die Backstage-Bereiche zurück, wo die Auslosung der Battle-Gegner stattfand.

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Ob er jetzt nervös sei und wie die Verlosung verlief, will ich danach von ihm wissen:

“Aufgeregt bin ich immer, schon seit 13 Jahren an jedem Auftritt, an jedem Battle. Das Lampenfieber nimmt aber sofort ab, wenn ich den ersten Schritt auf die Bühne mache. Auf der Bühne fühle ich mich frei, denke nicht mehr nach und lass meinen Körper freien lauf, sich aus zu Drücken.

Was bei der Auslosung wichtig und gut war: Man kannte sich untereinander und machte sich mit Sprüchen gegenseitig Locker, ich zum Beispiel hab mich riesig auf meinen ausgelosten Gegner gefreut obwohl ich wusste, dass ich ihm bisher immer unterlegen war. Eigentlich haben wir auch da nur rumgealbert und Spass gehabt, so wie sich Hip Hop als Kultur auch definiert. Respect, Unity and Love.”

Auch bei mir kam es an, das Gefühl Teil einer Bewegung zu sein, bei der es ganz gleich ist woher du kommst, welche Sprache Du sprichst und was Du draußen für ein Leben führst… hier drin macht der Beat den Rhythmus aus und wer mitgeht, ist Teil dessen.. Ich gehe mit und merke wie auch ich immer mehr aus mir herauskomme, mitjubel, mich der Moves freue… Marc hat das alles schon x-mal erlebt und ist trotzdem voll dabei.

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Und dann ist es soweit: Marc ist dran! Ich seh kaum etwas, soviele Menschen haben sich im Kreis versammelt. Der Mann am Mikro ruft den Namen, SlimSpin und im gleichen Atemzug erscheint er auf einer großen Leinwand. Alles wirkt jetzt größer; das Licht ist fokussiert, der Ring ist frei… Es hat was von Boxen ohne Körperkontakt und mir kommt der Satz in den Kopf, den ich irgendwo gelesen habe und der aus dem Munde eines Boxtrainers stammt: >In den Beinen und den Köpfen wird der Kampf entschieden.< Hier ist es ähnlich; nur ohne Gewalt, ohne den Willen dem anderen Schmerzen zuzufügen. Es fließen unglaubliche Energien von der Menge in die Mitte und ich verstehe Marc, wenn er sagt:

“Die Musik führt mich, ich kann nie genau sagen was ich machen werde, auch in dem Moment wenn ich an eine bestimmte Bewegung denke kann es durchaus sein, dass ich sie durch die Musik einfach vergesse und etwas völlig anderes mache. Ich weis nie was für ein Beat kommt. Es zählt der Moment und das Gefühl das man gerade hat. Du hast nur die eine Chance und das bringt einem richtig unter Druck… wenn man es zulässt.”

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So schnell der Moment da war, so schnell ist er auch gegangen. Marc hat mich und die Menge beeindruckt; für`s Weiterkommen aber hat es – laut Jury – nicht gereicht. Ob er die Entscheidung versteht?

“Enttäuscht war ich über meine Leistung; dass ich nicht alles gebracht habe, was ich kann… die Musik eben… sie hat mir nicht mehr erlaubt oder ich hab mich zu sehr einengen lassen… ich bin mit der Jury einverstanden, dass ich verloren habe und ich weiss von mir selber, dass ich noch viel mehr kann und nicht alles auf einen einzigen Tag setzen werde. im zweiten Set habe ich mich wiederholt, was eigentlich ein klares Zeichen für die Niederlage ist. Ich will noch lange Tanzen und bekomme noch viele Möglichkeiten, mein Können unter Beweis zu stellen. Die Niederlage ist am nächsten Tag schon vergessen und spielt keine Rolle mehr.”

Ich danke Marc und allen Tänzern für den Einblick in diese Welt. So schnell werden die Eindrücke nicht verblassen, da bin ich mir sicher und was die kommenden Battles angeht: ich werd mich sicher erneut blicken lassen und drücke Marc weiter die Daumen.

Einstimmig unterstützenswert

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yes_)Liebe Tanzfreunde,

wie einige von euch über unsere SocialMedia Kanäle erfahren haben, werden wir im nächsten Schritt auf die finanzielle Unterstützung des Bundesamts für Kultur zählen können. Das Gremium stimme einstimmig für den Support unseres Projektes. Das ist für uns wirklich großartig, weil wir viel Energie und Zeit darin investiert haben.

Damit einhergehend können wir unser Projekt auf dem Niveau weiterverfolgen, das wir uns wünschen und mit dem wir euch und dem Thema gerecht werden möchten.

Wir haben uns in den letzten Wochen Gedanken um die Verbesserung der Kommunikation und der interaktiven Elemente gemacht und möchten ein Teil der neuen Mittel in die Infrastruktur stecken; folglich in unsere Website, die etwas aufgefrischt und erweitert werden soll.

Des Weiteren möchten wir vermehrt den Dialog „außerhalb des Internets suchen“ und denken an weitere – für euch in Videoform festgehaltene – Besuche bei Tanzschaffenden, mit denen wir über den Inhalt des Filmes diskutieren möchten.

Wir freuen uns nun wieder enger mit euch am Projekt zu arbeiten und sagen Danke für die bisherige Teilnahme.

Ein Leben für die Kunst! Was geschieht nach der Karriere?

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Was geschieht nach der Bühnenkarriere?

Welchen Herausforderungen stellen sich angehende Tänzer?
Wie halten sich freischaffende TänzerInnen finanziell über Wasser?
Wie werden Tanzausbildung und Tanzprojekte in der Schweiz gefördert?

Wir sprechen heute zum Thema “Tanzberuf” live um 18:00Uhr und würden uns über eure Teilnahme freuen. Meldet euch einfach bis 16:00Uhr unter milad@dieschweiztanzt.ch wenn ihr direkt in das Gespräch einsteigen möchtet oder schaltet euch um 18Uhr auf unserer Website dazu und schreibt uns im Chat eure Fragen/Meinungen und Ideen.

Zur Einstimmung findet ihr hier ein Beitrag der kürzlich auf 3Sat gesendet wurde und Antworten auf diese Frage sucht

Post aus Bern

Neulich – nach unserem letzten Hangout – erreichte uns folgende E-Mail von Manuel aus Bern, die wir euch nicht vorenthalten möchten. An dieser Stelle sei Manuel nochmals gedankt. Nicht nur seiner Nachricht und Ideen wegen, sondern auch für die Erlaubnis diese mit euch zu teilen.

Uns würde auch eure Meinung interessieren! Teilt ihr Manuels “Version des Filmes”? Habt ihr eigene Ideen? Wünsche?

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Hallo Milad!

Zuerst einmal finde ich euer Projekt super und erhoffe mir, dass das Projekt dieSchweiztanzt viel bewegen wird. Seit ich vom Projekt gehört habe, habe ich mir Gedanken gemacht, was ein Film über die Schweizer Tanzszene aussagen könnte und wie die Geschichte aussehen könnte, die der Film erzählt. Bevor ich meine Ideen beschreibe, möchte ich mich noch kurz vorstellen:

Ich heisse Manuel Berger und bin 25 Jahre alt. Ich habe soeben mein Geographiestudium an der Uni Bern abgeschlossen und leiste momentan meinen letzten Zivildiensteinsatz, in einem wissenschaftlichen Projekt mit dem Thema “Die kulturelle Dimension der Nachhaltigkeit”, ebenfalls an der Uni Bern. Das Tanzen habe ich erst vor 4 Jahren durch Christa Zaugg, die ja auch eine der ProganistInnen ist, entdeckt. Seit meiner ersten von ihr geleiteten 5-Rhythmen-wave besuche ich mind. einmal wöchentlich einen ihrer Kurse und habe während den 4 Jahren das Tanzen lieben gelernt. Vor dieser Zeit habe ich ab und zu im Ausgang getanzt, habe mich aber nie getraut, richtig aus mir herauszukommen. Durch den 5-Rhythmen-Tanz habe ich erst gemerkt, dass es beim Tanzen nicht darum geht, schön tanzen zu können, eine gute Figur abzugeben, usw., sondern dass der Tanz ein Instrument zur persönlichen Selbstfindung ist, eine Art sich selbst auszudrücken und mit anderen Menschen auf einer non-verbalen (vielleicht sogar höheren) Ebene zu kommunizieren. Das Tanzen hat mir seither geholfen, schwierige Lebensphasen besser zu überwinden und gleichzeitig hat das Tanzen in mir vieles verändert, d.h. meine Einstellung gegenüber dem Leben und der Welt, im Grunde meine ganze Art zu denken. Heute bin sehr viel ausgeglichener, habe mehr Selbstvertrauen, und bin allgemein positiver eingestellt, und ich denke, ein grosser Teil dieser Veränderung habe ich dem Tanzen zu verdanken.

In der letzten Diskussion, wo es ums Tanzen mit Kindern ging, wurde ja zum Teil auch von Veränderungen gesprochen. Das Thema “Veränderung durch Tanz” im Film fände ich sehr spannend, da ich wie erwähnt selbst diese Erfahrung gemacht habe. Ich denke aber auch, dass es eine sehr wichtige message des Films sein könnte. Ich sehe heutzutage viele (oft globale) Probleme wie die Ausbeutung der Natur, die wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen, der Klimawandel oder die Energiewende, die wir nur mit einem Umdenken werden meistern können. Des Weiteren finde ich, dass viele Menschen in der heutigen Zeit sich nicht um ihren Körper kümmern oder sich unwohl in ihm fühlen (Stichwort: moderne Schönheitsideale, Leistungsdruck, ungesunde Ernährung, …) Bei all diesen Problemen sehe ich den Tanz als Weg (oder Katalysator) zu einer Veränderung zum Positiven, zu einem achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper, der Natur und den Mitmenschen.

Was mir noch nicht ganz klar ist: ob der Film ein reiner Dokumentarfilm wird oder ob es auch ein Mix zwischen Fiktion, in dem die ProtagonistInnen sozusagen eine Rolle spielen, und Dokumentation sein könnte. Bei der konkreten Umsetzung des Themas “Veränderung durch Tanz” habe ich z.B. daran gedacht, dass man stories einzelner ProtagonistInnen erzählt, die selbst eine Veränderung erlebt oder bei anderen beobachtet haben, und diese Teilstränge miteinander verwebt, so dass am Schluss alle story lines zusammenkommen und die Geschichte ein grosses Ganzes ergibt. Aspekte der Veränderung, welche in den einzelnen Teilsträngen der Geschichte erzählt werden könnten, sind z.B. “pers. Veränderung”, “Veränderung im Umgang mit Mitmenschen”, “Integration durch Tanz”, usw.

So, ich hoffe, das Ganze ist einigermassen verständlich geschrieben, und dass mein Beitrag hilfreich ist. Ich bin schon gespannt, wie sich alles weiterentwickeln wird!

Liebe Grüsse
Manuel

Weil Teilen wichtig ist…

Deine_Story
Weil Teilen wichtig ist…

…bieten wir Dir unsere Plattform an. Schreib uns deine Erfahrungsberichte. Erzähl von Deinem Projekt und diskutiere mit unserem Publikum.

Wir sind davon überzeugt, dass es gewinnbringend für alle ist, wenn wir den Diskurs über den Tanz in der Schweiz öffentlich und stilübereifend führen. Dabei möchten wir sowohl erfahren, wo Du Misstände siehst, wie Du diese persönlich erfahren hast; aber auch wo Erfolge gefeiert wurden. Thematisch setzen wir Dir keine Grenzen; im Gegenteil: Wir sind uns sicher, dass durch Deinen Beitrag unser Projekt weiter lebendig und vielfältig bleibt.

Du kannst Dein Beitrag an: milad@dieschweiztanzt.ch senden. Nach kurzer Überprüfung veröffentlichen wir diesen  hier auf unserem Blog, auf Facebook und via Twitter.

Gerne führen wir auch Interviews mit Dir. Am liebsten persönlich und bei einem Kaffee oder aber auch via Google-Hangouts.

Bei Fragen zöger nicht uns zu schreiben. Wir sind schon total gespannt, was Du an spannenden Inhalten mitbringen wirst.

Im Übrigen planen wir die besten Beiträge – im Anschluss an unsere Filmproduktion – in Form eines Buches gemeinsam mit weiteren den “Tanz in der Schweiz” betreffenden Inhalten zu publizieren.

Wenn ich hätte tanzen dürfen… ( Milad )


milad_iranSeit nun mehr als einem Jahr
beschäftige ich mich mit dem Tanz. Und je mehr, je tiefer, je näher ich an das Thema heranrücke, desto stärker drängt sich mir die Frage auf: Was wäre, wenn ich hätte tanzen dürfen?

„Langfristig hat sich noch keine Herrschaft durchgesetzt, die den Tanz verboten hat. Tanzen ist Leben.“ schreibt Guter Kreuz, Musikkognitionsforscher; Experte und Interviewpartner des Spiegel Onlines. Er spricht weiter: „Es ist ein Nebenprodukt des aufrechten Gangs früher Hominiden und steckt in unseren Genen.“

Mich aber hat man gelehrt, diese inneren Impulse, diesem Ruf der Musik, sich zu ihr zu bewegen, zu unterdrücken. Herangewachsen bin ich im Iran der Nachkriegszeit. Mein Vater, ein Unternehmer, ein zu jener Zeit religiöser Freigeist, der wie viele seiner Generation in der Islamischen Revolution eine Verbesserung der Lebensumstände sah, zog in den Krieg und blieb dort. Als Kriegsgefangener verbrachte er Jahre in irakischen Gefängnissen. Zurück blieben wir: Mutter und Sohn.

Für mich, „dem männlichen Oberhaupt der Familie“, hatte der junge Staat seine eigenen Pläne geschmiedet: In einer Sonderschule, auf der Söhne deren Väter im Krieg verwundet, getötet oder gefangen wurden, lehrte man uns die Sprache religiöser Fanatiker  sprechen. Und ich lernte schnell. Ich schickte mich an ein Musterschüler zu werden und entsagte vielen vertrauten Vergnügungen. Die Religion fing mich auf und ich war ihr dankbar dafür. Ich lernte strikte Regeln kennen und fühlte mich in den engen Strukturen wohl – sie gaben eine Richtung vor und machten mich glauben, dass es auch jener Weg sei, den mein Vater mich gelehrt hätte; schließlich – so die Logik – hätte es ihn im Kampf für eben diese Wahrheiten in den Krieg gezogen.

In Folge dessen entwickelte ich mich zum Prototypen eines staatstreuen Bürgers. Ich fing an, mich von Familienfeiern zu entfernen und ging später noch weiter, in dem ich meiner Mutter das Tanzen verbot. Selbstverständlich ohne Erfolg.

Was aber bedeutete es in diesen Tagen überhaupt zu tanzen? Heute verstehe ich es. Wie der Tango unter der argentinischen Diktatur, waren auch jene Tanzabende und Partys im Iran Ausdruck des Widerstands; sie waren Ablenkung, Flucht und Hoffnung. Ich aber sah sie nicht; diese andere Seite und blieb verständnislos abseits.

Ich habe auch später, als wir längst in Deutschland angekommen, als ich längst der Religion entsagt und mich hiesig sozialisiert hatte, nie mehr getanzt. Warum? Ich kann es mir schwer erklären.

Der Tanz ist und war immer ein wesentlicher Bestandteil der persischen Kultur und wird auch heute hinter Türen und Toren trotz der Gefahr, von Sittenwächtern abgestraft zu werden praktiziert. Seit der Grünen Bewegung 2009 sogar zunehmend provokativ und öffentlich.

Vielleicht, denke ich mir, ist dieses Projekt auch die Möglichkeit mich von den Geistern meiner Kindheit loszusagen oder aber zurückzukehren zu den Wurzeln meiner Kultur.

Auf Tee und Tanz

Das Treffen kam spontan zustande. Nachdem Valérie und ich ( Milad ) vergebens versucht hatten in den letzten Wochen einen Termin zu vereinbaren ( Es scheiterte nicht selten an meinem vollen Kalender ) schafften wir es heute.

In Begleitung von Sara machte ich mich auf dem Weg nach Zürich, um jene Frau kennenzulernen, die schon beim letzten Besuch einen bleibenden Eindruck hinterließ und die ihre Passion für den LindyHop auch im Privaten lebt.

So überraschte es uns nicht, als wir – nachdem Valérie uns die Tür zu ihrem Zuhause in Mitten Zürichs öffnete – in eine Wohnung eintraten, in der die Zeit schon lange stehen geblieben war. Nebst alten Telefongeräten, einem Radio aus Zeiten unserer Großeltern, waren Möbel, Gardinen und Deko wunderbar stimmig im Stile der 20er und 30er aufeinander abgestimmt. Sogar der Boden schien originalgetreu nachempfunden.

Valérie lud uns ein zum Tee und erzählte Geschichten über ihr Viertel, das wie viele andere Zürcher Bezirke sich stark gewandelt hat, sprach von geplanten Ausflügen zu LindyHop-Freunden in die USA oder in Schweden. “Die Szene ist wie eine große Familie. Wenn man reist, verbringt man auch die Zeit miteinander und schläft nicht etwa in einem Hotel.” Zur Not, sagt sie, bringen die Tanzfreunde einen auch mal bei Bekannten und Verwandten unter.

Ihr Wecker klingelt und macht uns auf die bevorstehende Tanzstunde aufmerksam. Den kurzen Weg durch den Schnee bis zum Tanzraum im Viadukt verbringe ich mit Kopfkino. Der Bruch zwischen der Welt in Valéries vier Wänden und der hier draußen ist groß. Dort mechanische Uhren, handbearbeitete Möbel, hier glänzende Hochhäuser und das Lichtspiel moderner LED-Leuchten. Umso mehr freue ich mich, als wir die Tanzräumlichkeit erreichen.

Valérie war wirklich bemüht mich zum Tanzen zu animieren und ich werde mein Versprechen, dem nachzugehen in Kürze schon einhalten. Heute aber wollte ich lieber beobachten und verstehen, welchen Reiz der LindyHop auf die Besucher ausübt, wer sie sind und ob sie ähnlich darin aufzugehen gewillt sind, wie Valérie es vorlebt.

Auf dem Heimweg stehe ich an der Haltestelle. Sara summt die Musik, die wir kurz zuvor im Ohr hatten und ich ertappe mich dabei die Schritte der Tanzenden nachzuahmen. Schon bald, sage ich mir, werd ich`s versuchen.